Spät geborene Jungigel: So hilfst du Igeln gut durch den Winter
Nach dem heißen, trockenen Sommer wird es für spät geborene Jungigel jetzt knapp: Bis zum Winterschlaf bleibt ihnen wenig Zeit, sich genug Fett anzufressen. Die gute Nachricht: Mit ein paar einfachen Dingen im Garten kannst du viel für sie tun.
Darauf macht der Schweizer Tierschutz STS in einem Interview mit seinem Wildtier-Experten Janick Ehrsam aufmerksam. Hitze und Trockenheit lassen demnach das Angebot an Regenwürmern und anderen Kleintieren schrumpfen, von denen Igel leben. Winterschlaf halten sie meist von November bis März oder April. Als Orientierung nennt der STS: Ein Jungigel sollte vorher mehr als 500 Gramm wiegen. Ob ein Tier Hilfe braucht, hängt aber auch von seiner Gesundheit und dem Zeitpunkt ab.
Woran du einen Igel erkennst, der Hilfe braucht
Nicht jeder Igel, der im Herbst unterwegs ist, steckt in Schwierigkeiten. Beobachte ihn erst einmal aus etwas Abstand. Ein gut genährter Igel sieht von oben aus wie eine Birne: vorne schmal, hinten rund. Aufmerksam werden solltest du laut STS und BUND Naturschutz in Bayern bei diesen Zeichen:
- eingefallene Flanken und eine deutliche Delle hinter dem Kopf
- Verletzungen, ein unsicherer Gang oder ein teilnahmsloses Verhalten
- ein Igel, der bei Dauerfrost oder Schnee noch herumläuft
- ein Jungigel, der Anfang November weniger als 500 Gramm wiegt
Ein Igel, der tagsüber unterwegs ist, verdient einen genaueren Blick, ist aber nicht automatisch ein Notfall.
Helfen ja, aber gemeinsam mit Fachleuten
In Deutschland darfst du laut BUND Naturschutz nach dem Bundesnaturschutzgesetz nur verletzte, kranke oder hilflose Igel aufnehmen, um sie gesund zu pflegen. Gesunde Igel bleiben draußen. Findest du einen geschwächten Igel, melde dich bei einer Igelstation oder einer Tierarztpraxis. Wie die Erstversorgung bis dahin aussieht, erklärt der Verein Pro Igel: den Igel in einen Karton setzen, ihn wiegen und ihm Wasser sowie passendes Futter wie hochwertiges Katzendosenfutter anbieten.
Gesunde Igel brauchen laut STS grundsätzlich kein Zusatzfutter. Nur in Ausnahmefällen, etwa bei zu leichten Jungigeln im Spätherbst, kann eine begrenzte Zufütterung sinnvoll sein, am besten abgesprochen mit einer Igelstation. Welches Futter passt und was auf keinen Fall in die Schale gehört, liest du in unserem Ratgeber Igel richtig füttern im Garten.
So wird dein Garten zum Igel-Winterquartier
- Lass einen Laub- oder Reisighaufen über den Winter liegen. Auch Hecken, Totholz und Holzstapel sind gute Verstecke, ebenso ein Igelhaus an einem ruhigen, geschützten Platz.
- Lass kleine Durchgänge in Zäunen frei, damit Igel von Garten zu Garten wandern können.
- Schalte den Mähroboter nachts aus. Der BUND Naturschutz und Pro Igel raten sogar ganz davon ab, weil die Geräte für Igel gefährlich sind.
- Sichere offene Schächte und Gruben und stell eine flache Schale mit frischem Wasser auf.
Hat sich ein Igel schon eingekuschelt, lass ihn in Ruhe, denn jedes unnötige Aufwachen kostet ihn Energie. Räum Laub- und Holzhaufen im Winter deshalb nicht um. Manchmal ist Nichtstun die beste Hilfe.
Welche Tiere überhaupt Winterschlaf halten und welche nur etwas ruhiger werden, erklärt unser Guide Halten Haustiere Winterschlaf?. Und so kannst du auch Gartenvögel im Winter richtig füttern.
Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei einem verletzten oder kranken Igel wende dich bitte an eine Igelstation oder eine Tierarztpraxis.
Quelle: Schweizer Tierschutz STS: „Besonders spät geborene Jungigel können unter Druck geraten“, 29.10.2026